Die Embleme 2018-02-05T13:29:08+00:00

Die Embleme

Kaspar Meglinger (1595 – nach 1667) schuf den Hergiswalder Bilderhimmel nach Vorgaben des Luzerner Kapuziners Ludwig von Wyl (1594-1663), auf dessen Pläne der gesamte Ausbau zur Wallfahrtskirche zurückgeht. Seine Ideen bezog Ludwig von Wyl teils aus gedruckten Emblembüchern. Die Emblematik war damals eine beliebte Kunstform, eine spielerisch-geistreiche Verbindung von Text und Bild.

Ein gedrucktes Emblem oder Sinnbild besteht in der Regel aus einem symbolischen Bild (pictura), einer – meist lateinischen – Inschrift (inscriptio oder Motto) sowie einem erklärenden Text (subscriptio). Dieser letzte Teil aber fehlt in Hergiswald – was die Entschlüsselung umso schwieriger macht.

Alle 324 Tafeln des Zyklus verweisen auf die in Hergiswald verehrte Gottesmutter und versinnbildlichen einen Ehrentitel oder eine Tugend Marias, oder sie verwei­sen auf ein Ereignis in ihrem Leben und auf ihre Rolle im göt­t­­lichen Heilsplan – eine bild- und wortgewaltige, nicht enden wollende Litanei zur Verherrlichung der Himmelskönigin und «Patronin Luzerns».

Zu Marias Lobpreis wird der gesamte Kosmos aufgeboten: die Gestirne, die Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde, die unterschiedlichsten Vertreter des Tierreichs – vom Elefanten bis zur Ameise und vom mythischen Einhorn bis zum feuerspeienden Drachen –, Bäume, Sträucher und Blumen, aber auch allerlei Dinge aus dem damaligen Alltag wie Gebäude, Instrumente, Waffen und Gegenstände aus Haus und Hof.

Die nachfolgenden Beispiele zeigen nur eine kleine Auswahl. Sämtliche Tafeln des Zyklus sind abgebildet und erklärt in dem Buch «Der Bilderhimmel von Hergiswald».

Der Brennspiegel (West 2)

Maria ist die Gnadenmittlerin zwischen Gott und den Menschen, in deren Herzen sie die Liebe entfacht. Zu ihr passt deshalb das Bild des Brennspiegels mit dem Bibelzitat: EXARDESCET IGNIS, «ein Feuer wird entbrennen» (Ps 38,4).

Der Papagei (West 12)

Damit seine beiden Artgenossen ungefährdet fressen können, sitzt der Papagei auf dem Baum und «hält Wache» (EXCUBAT IN CUSTODIIS). Ein Sinnbild für Marias mütterliche Fürsorge und Schutz.

Die Feuerlilien (Süd 13)

Die rot-goldene Feuerlilie verweist auf Marias flammende Gottes- und Nächstenliebe: «Golden» heisst es dazu, sei die leuchtende Blume, «weil sie die Lilie der Liebe ist» (AUREUM, QUIA CHARITATIS LILIUM).

Das Einhorn (Süd 30)

Das stolze Fabeltier, das erst im Schoss einer Jungfrau zahm wird, ist ein altes Mariensymbol: VIRGINEM QUÆRO, «ich suche die Jungfrau», kommentiert das ungestüme Einhorn und setzt zum Sprung an.

Der Schirm (Nord 70)

Als Schirmherrin und Beschützerin der Gläubigen gleicht Maria dem blauen Schirm, der «vor Hitze und vor Regen» (ET AB ÆSTU ET A PLUVIA) schützt.

Die Himmelspforte (Süd 46)

Die «verschlossene Pforte» (Ez 44,1-3) verweist auf das Paradox der Jungfrau und Mutter. Am Heilsgeschehen der Inkarnation war Maria unmittelbar beteiligt: NON NISI PER ME, «nur durch mich», kommentiert sie deshalb das Bild.

Das Labyrinth (Nord 14)

Das spiralförmige Labyrinth versinnbildlicht die Irrwege der trügerischen Welt, deren «Schönheit täuscht» (SPECIES DECIPIT). Anders Maria: Als Helferin der Gläubigen zeigt sie diesen den Weg zum Heil.

Das gefangene Herz (Ost 29)

Das Sinnbild zeigt Maria als gnadenreiche Seelenfängerin. Wie ein Vogelsteller «fängt» sie die Herzen der Gläubigen, doch «zerdrückt sie diese nicht» (CAPIT NON PREMIT).