Zahlensymbolik an der Orgelempore 2018-05-07T10:48:51+00:00

Die Embleme an der Orgelempore und das «Ende der Welt»


324 Tafeln

Die siebzehn Sinnbilder an der Brüstung der Orgelempore über dem Eingang gehören zum grossen Zyklus des Bilderhimmels. Kaspar Meglinger malte sie im Jahre 1654 zusammen mit den 307 Tafeln der Holzdecke nach einer Idee des Kapuziners Ludwig von Wyl.

Die Zugehörigkeit der Tafeln zu denen des Deckengewölbes ergibt sich einerseits aus dem gemeinsamen mariologischen Thema und andererseits aus der Zahlenkomposition des Zyklus: Die 307 Tafeln an der Decke bestehen aus je 100 Stück im nördlichen und südlichen Langhaus, je 53 über der Felix- und der Marienkapelle sowie dem grossen Mittelbild. Zusammen mit den siebzehn Sinnbildern an der Orgelempore sind dies insgesamt 324 bemalte Tafeln.

Zahlenmystik

Die Zahlen sind nicht zufällig, sondern bilden eine verborgene geistliche Numerologie, die den Bilderhimmel mit dem Loretothema verbindet. Die Quersumme von 324 (3 + 2 + 4) nämlich beträgt 9, d.h. 3 x 3, die Zahl der Trinität und der Heiligen Familie; dasselbe gilt für 306 (die Tafeln an der Decke ohne das Mittelbild) und für 153 (die Hälfte davon). Multipliziert man die Primzahl 17 (die Zahl der Tafeln bei der Orgel) mit 3 x 3, so ergibt dies ebenfalls 153 – eine biblische und heilige Zahl, denn sie entspricht der Menge der Fische beim wunderbaren Fischzug Petri (Johannes 21, 1–14).

An der Emporenbrüstung ist die mystische Dreizahl prominent inszeniert: Exakt in der Mitte, wo die Empore auskragt, zeigen drei Tafeln die dreiköpfig Heilige Familie mit Maria, dem Christuskind und Josef (Embleme 7-9).

Christus bildet das Zentrum und schwebt auf dem Bild zwischen den Herakles-Säulen als Weltenfürst, dessen Reich über die Ränder der bekannten Welt hinausgeht: «Ich kenne keine Grenzen» (NESCIO TERMINUM), heisst es im Spruchband.


Das Ende der Welt

Auch dies ist kein Zufall, sondern theologisch durchdacht und Teil des ikonologischen Programms: Die beiden Heraklessäulen auf der zentralen Emblemtafel entsprechen nämlich genau den zwei eleganten tuskischen Sandsteinsäulen, die hier die Empore stützen und den Eingang zur Kirche auszeichnen.

Der Eingangsbereich wird damit symbolisch zum «Ende der Welt» und der Kirchenraum davor zum Abbild derselben. In der Mitte dieser Welt aber steht die Santa Casa, das wundersame Häuschen der Heiligen Familie. Die Symbolik der Bildtafeln überträgt sich so auf die Architektur und umgekehrt. Und plötzlich ist alles lesbar für die, die sehen.